Navigation überspringen (Zugangstaste 1)
Metanavigation:

|||
|||  Anmelden
|||  Newsletter
Zu den Inhalten (Zugangstaste 3)
 Servicenummer
0800 22 46 255
0800 BAHN-BKK
aktualisiert am: 03.09.2010

Anfang Inhaltsbereich:

Von der alltäglichen zur inneren Ordnung - Rituale


Geschafft, alles strahlt und glänzt, der alljährliche Frühjahrsputz ist endlich erledigt. Na ja, der gute Silvestervorsatz, das Rauchen aufzugeben, ist ins Wanken geraten, aber immerhin, die Einkommensteuererklärung ist auf den Weg gebracht, die alljährliche Frühjahrsdiät läuft auch.

Vielen dürften diese Szenarien sehr bekannt vorkommen. Sie stehen stellvertretend für all die großen und kleinen Gewohnheiten, mit denen wir Ordnung in unseren Alltag bringen und unser Leben strukturieren. Rituale geben dem Alltag Stabilität, halten Gemeinschaften zusammen und helfen, schwere Verluste und Krisensituationen zu meistern. Andererseits können sie, wenn sie ihren Sinn verloren haben, zum seelischen und sozialen Ballast werden.

Seit Urzeiten schon hat der Mensch den Drang, die Dinge, die ihn umgeben, zu ordnen. Denn menschliches Leben ohne ein gewisses Maß an Ordnung ist nicht denkbar. Damit diese Ordnung aber Bestand hat, muss sie von Zeit zu Zeit wieder hergestellt werden. So gesehen, ist das Ritual des Frühjahrsputzes durchaus mit dem kosmologischen Urakt vergleichbar, der aus dem anfänglichen Chaos einen menschenwürdigen Kosmos machte.

Neue Energie durch alte Gewohnheiten
Rituale bestimmen unser Leben, manchmal bewusst, manchmal ganz unbewusst, wie das tägliche Zähneputzen nach dem Aufstehen. So groß die Vielfalt an Ritualen ist, die wir regelmäßig vollziehen und wiederholen, so vielfältig ist auch deren Funktion für unser Dasein. Rituale sind Räume, in denen wir unseren Gedanken, Erinnerungen, Sehnsüchten und Fantasien frei nachgehen können, wir können uns besinnen auf uns und auf andere.

Obwohl wir uns manchmal durch unsere Gewohnheiten eingeengt fühlen und uns wünschen, sie einfach über Bord zu werfen, damit wir endlich frei und ungezwungen leben können, helfen uns viele Gewohnheiten, richtig mit unserer Energie zu haushalten und uns auf wichtige Herausforderungen besser konzentrieren zu können. Stellen Sie sich bloß vor, Sie müssten sich jeden Tag aufs Neue entscheiden, wie Sie sich die Zähne putzen, ob Sie sich waschen und frisieren möchten. Die Energie und Zeit, die Sie einsetzen müssten, um diese sich täglich wiederholenden Abläufe immer wieder zu entscheiden, würde zwangsläufig fehlen, um wesentliche Fragen im privaten und beruflichen Bereich zu lösen.

Renaissance der Rituale
Rituale haben wieder Konjunktur. Kein Wunder, denn in einer Gesellschaft, die dem Einzelnen immer mehr Wahlmöglichkeiten verspricht, in der das Lebenstempo immer schneller wird, in der die Glücksversprechen immer größer werden, wird es für den einzelnen immer schwieriger seinen Platz zu finden und wirklich all das zu erreichen, was möglich und erstrebenswert erscheint. Blickt man in die Werbung, so scheint es ja ganz einfach zu sein: Familienvater mit 35, topfit und makellos, Wahnsinns-Karriere, eigenes Haus, Luxusauto, Luxusurlaube, jede Menge Zeit für Freunde und Hobbys und, und, und. Die Realität ist da oft ganz anders und ziemlich ernüchternd. Tatsache ist, dass sich viele schlicht überfordert fühlen und das Gefühl haben, die immer schneller werdenden Übergänge in neue (Lebens-)Phasen nur schwer zu bewältigen und keine Zeit zu haben, um alles zu sehen, zu erleben und zu tun, was möglich wäre. Jeder muss mit sich selbst klar kommen und hat nichts, worauf er zurückgreifen kann. Das Leben droht zu entgleiten.