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Batterie leer
Jeder fünfte Erwachsene kennt das: trübe Gedanken, Unzufriedenheit, vorübergehende Erschöpfungszustände. Der Arzt kann nichts feststellen. Die Laborwerte sind in Ordnung, das Befinden ist miserabel.
„Und - wie geht`s?“ – „Danke, danke, viel zu tun!“ Daniel Militze hat Stress. Das ist normal, man kennt ihn nicht anders. Immer auf dem Sprung, schnell noch dies, kurz noch das. Er ist tüchtig in seinem Beruf als Versicherungsmakler, und erfolgreich. Seit einigen Wochen allerdings fühlt er sich furchtbar müde, auch tagsüber, am liebsten würde er nur noch schlafen. Er mag nicht arbeiten, aber auch nichts anderes. Zum Tennisdoppel am Donnerstagabend hat er überhaupt keine Lust, schon gar nicht auf die Feier zu Britts vierzigstem Geburtstag. Bloss keine Leute! Ihm ist alles zu viel. Zumal er seit Wochen nicht mehr durchschläft.
Daniel Militze kommt sich vor wie der sprichwörtliche Hamster im Hamsterrad. Er rennt und rennt und kommt nicht voran. Langsam geht ihm die Puste aus. Er sorgt sich um seine Leistungsfähigkeit. Wie soll er wieder auf die Füße kommen? Was ist das für eine lähmende Trägheit und ungewohnte Antriebsschwäche? Ist er krank?
Seine Hausärztin Dr. Ohmann ist bekannt für Ihre Sorgfalt und ihren siebten Sinn. Über ihre Fragen ist er trotzdem verwundert. Wie viel Stunden er denn arbeite. Ob er sich überfordert fühle. Ob er zum Perfektionismus neige. Würde er sich selbst als ehrgeizig beschreiben? Dr. Ohmann: „Wenn Sie langen Stressphasen ausgesetzt sind, ohne dass Sie sich zwischendurch ausreichend erholen, kann Ihr Erschöpfungszustand chronisch werden. Burn-Out heißt der Fachbegriff dafür.“ Sie rät ihm dringend, das Abschalten zu üben.
Der Beruf ist nicht alles. „Sprechen Sie über Ihr Befinden. Das entlastet. Sie glauben gar nicht, wie viele Menschen ähnliches erleben.“ Und noch ein Tipp: „Achten Sie auf Ausgleich in ihrem Leben. Was tut Ihnen gut? Was macht Sie zufrieden?“ Daniel Militze hat keine Idee. Ihm kommt sein Leben eintönig vor und grau. Nein, Hobbies hat er keine. Aber das kann natürlich daher kommen, dass er zu viel arbeitet. Intensives Erleben – das muss er erst wieder lernen. Doktor Ohmann ist unerbittlich. „Erinnern Sie sich bitte: Was gab es denn früher, was sie genießen konnten, was Sie mit Entspannung verbinden?“ Spazierengehen, das ging gut, könnte auch jetzt noch gehen. Alleine, nur gehen und schauen. Oder Musik hören, die er früher mochte. Ein bisschen träumen. Für sich sein. Nichts tun. Aus dem Fenster schaun, oder in ein Kaminfeuer. Und wieder durchatmen. Er hat früher auch autogenes Training geübt, damals, als er sein Geschäft aufgebaut hat. Das war auch eine Zeit enormer Anspannung. Das wieder beleben?
Jetzt dämmert Daniel Militze, was die Ärztin meint mit „Entspannung“. Etwas anderes tun, als an heikle Kunden zu denken und an das Pensum der nächsten Tage. Das Tempo runterschalten, und aufmerksam sein für sich selbst. Das wird er tun. Denn so saft- und kraftlos kann es nicht weitergehen. Und es gibt ja auch Unterstützung. Das hat er schon Monate weggeschoben. Der Schulfreund, der ihn schon lange mal für ein Wochenende im Harz eingeladen hat. Langlaufen. Schneewandern. Seine Schwester, die ihn ins Kino mitnehmen will. Und immer wieder anruft. Denen kann er erklären, was mit ihm los ist.
Und dann gibt es ja weitere professionelle Hilfe, nicht nur die Ärztin. Die BAHN-BKK hat für ihre Kunden ein Beratungsangebot im Internet eingerichtet: „Lebenshilfe online“. Das ist ein Netzwerk von mehreren Beratungseinrichtungen in ganz Deutschland. Hier gibt es Rat für alle. Die Beratung ist über eine Anfrage per E-Mail möglich. Daneben gibt es das Angebot zu Einzel- oder Gruppenchats mit den Beratern. Dafür werden verschiedene Termine angeboten, für die sich Kunden anmelden können. Dabei bleiben die Ratsuchenden selbstverständlich anonym.
Um das Angebot nutzen zu können, müssen sie sich dort noch registrieren. Dazu wählen sie selbst einen Benutzernamen und ein Passwort. Zum Beispiel „Düsentrieb“ und „runterschalten“. Oder „Daddeldu“ und „Lebenslust“. Wenn der Humor erst mal wiederkommt, ist Land in Sicht.
