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Von der alltäglichen zur inneren Ordnung - Rituale
Hilfe in Krisenzeiten
Das Ritual vermittelt Verhaltenssicherheit und gibt Halt. Gerade in Krisenzeiten, z.B. bei psychischen Belastungen oder körperlichen Erkrankungen greifen Menschen vermehrt auf Rituale zurück. Vielleicht erinnern Sie sich dazu noch an ein einleuchtendes Beispiel: So wurden unter großer weltweiter Anteilnahme für die Opfer der Tsunami-Katastrophe drei Schweigeminuten durchgeführt. Damit wurde zum einen das Mitgefühl für die Opfer ausgedrückt und die Solidarität mit den Betroffenen unterstrichen, zum anderen aber zeigt gerade das die Urbedeutung von Ritualen für unser Dasein: Früher dienten kultische Handlungen wie Opfergaben dazu, die Götter durch Demutsbeweise gnädig zu stimmen und so die menschliche Existenz zu sichern.
Je mehr der Glaube an das Übersinnliche durch den Glauben an die Naturwissenschaften ersetzt wurde, umso mehr verloren solche Rituale an Bedeutung. In Krisenzeiten jedoch, in denen wir feststellen, dass wir mit unseren Fähigkeiten am Ende sind, dass wir eben doch nicht allmächtig sind, wo unsere rationellen Methoden versagen, wo die Umwelt nicht ausreichend kontrolliert werden kann, greifen wir auf eine uralte Methode zurück: Das Ritual als gemeinsame Antwort auf die Gefahren des Schicksals, das sich, so die Hoffnung und die Gewissheit, eben doch durch Demutsbeweise beeinflussen lässt, indem man die eigene Ohnmacht anerkennt und trotzdem handelt.
Wichtige Stresspuffer
Weil Rituale sich im Alltag wiederholende Handlungen sind, die nicht immer neu hinterfragt werden müssen, haben sie auch etwas Entspannendes und Beruhigendes. Das schöne daran: Sie bewirken einen Memory-Effekt im Gehirn, der dafür sorgt, dass schwierige Situationen künftig stressfreier erlebt werden. Das ganze funktioniert aber nur mit einer gewissen Regelmäßigkeit und Disziplin. Wichtig auch: Jedes Ritual ist Ausdruck eines ganz persönlichen Verhaltensmusters, das heißt, es hat nur dann eine positive Bedeutung, wenn man es den persönlichen Bedürfnissen anpasst und den richtigen Rhythmus findet. Ist das Ritual von außen auferlegt, funktioniert es nicht. Andererseits sind Rituale sehr einfach zu erlernen, Sie brauchen keine Vorkenntnisse, müssen nicht viel Zeit einplanen und können Sie rund um die Uhr und an jedem Ort umsetzen.
Nehmen Sie sich also die Freiheit, Rituale, die für Sie keinen Sinn machen, aufzugeben und Ihre eigenen rituellen Inszenierungen zu entwickeln. Finden Sie heraus, was Ihnen wirklich gut tut, und handeln Sie danach. So haben Sie die größte Chance, die unterschiedlichen Rituale sinnvoll und gewinnbringend für Ihr Wohl und Ihre Gesundheit einzusetzen. Noch besser funktionieren Rituale, die man zu zweit oder mit mehreren ausübt, denn die gemeinsame Handlung vermittelt ein Gefühl der Solidarität, schenkt zusätzlich Kraft und weckt die Freude am Gestalten einer bestimmten Stunde des Tages oder einer schöpferischen Pause.
