Arzt stützt Kopf auf die Hände

Behandlungsfehler: Das können Sie als Patientin oder Patient tun!

Trotz der hohen Standards kann es im Rahmen von medizinischen Behandlungen auch zu Fehlern kommen. Dies kann schon im Vorfeld passieren, aber auch während einer Operation oder einer medikamentösen Therapie. Ein Behandlungsfehler liegt dann vor, wenn die vorgenommenen Maßnahmen nicht den allgemein anerkannten fachlichen Standards entsprechen, sofern nichts anderes abgesprochen war.
Ein ärztlicher Behandlungsfehler kann ganz unterschiedlich aussehen:
  • Medikamente werden vertauscht,
  • eine falsche Diagnose gestellt oder
  • ein Eingriff durchgeführt, der medizinisch gar nicht indiziert ist oder
  • es kommt im Krankenhaus als Organisationseinheit, für das viele Ärztinnen und Ärzte sowie Schwestern und Pfleger tätig sind, zu einem Fehler oder
  • fehlerhafte Behandlungen durch Pflegeeinrichtungen und Personal führen zu einem Fehler.
Diese Aufzählung lässt sich noch weiter fortsetzen.

Auch kann sich der Fehler in unterschiedlicher Form darstellen. So kann zum Beispiel eine Verletzung von Aufklärungspflichten vorliegen oder es können Risiken und Nebenwirkungen von Therapien, Medikamenten oder Medizinprodukten einen Behandlungsfehler verursacht haben. In allen Fällen geht ein Behandlungsfehler aber regelmäßig zulasten der Patienten, die sich dann fragen, wer in einer solchen Situation als Ansprechpartner in Frage kommt – und welche rechtlichen Möglichkeiten sich aus einer Fehlbehandlung ergeben.

Grundsätzlich ist bei einem Verdacht auf einen Behandlungsfehler der Arzt bzw. die Ärztin selbst der erste Ansprechpartner. Unklarheiten, Fragen und auch Unzufriedenheiten mit dem Behandlungsergebnis lassen sich in einem direkten Gespräch häufig klären. Bei einer stationären oder ambulanten Behandlung in einem Krankenhaus bzw. Klinik gibt es das sogenannte Beschwerdemanagement: Ein Behandlungsfehler kann hier zur Sprache gebracht und einer weiteren Klärung zugeführt werden.

Wann liegt ein Behandlungsfehler vor?

Ein Behandlungsfehler – der auch als ärztlicher Kunstfehler bezeichnet wird – ist nach gängiger Auffassung immer dann gegeben, wenn der Arzt oder die Ärztin die Behandlung nicht nach dem aktuellen Facharztstand entsprechend durchführt. Patienten haben demnach nach richtiger Ansicht einen Anspruch darauf, dass die jeweilige Behandlung auch tatsächlich dem aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft entspricht. Das sieht auch der Bundesgerichtshof so. In einem
Grundsatzurteil
legten die Richter in Karlsruhe fest, dass schon das Abweichen von einer medizinisch gebotenen Vorgehensweise einen ärztlichen Behandlungsfehler begründen kann.

Was sind typische Behandlungsfehler?

Nicht nur niedergelassene Ärzte, sondern gerade auch Krankenhäuser und Kliniken sehen sich häufig dem Vorwurf eines Behandlungsfehlers ausgesetzt. Besonders häufig geht es dabei um
  • fehlerhafte Behandlungen und / oder Operationen
  • fehlerhafte Diagnose- und / oder Befunderhebung und daraus folgende falsche oder fehlende Behandlung
  • Geburtsschäden
  • fehlerhafte Dekubitusprophylaxe.
Auffällig ist, dass es fast schon regelmäßig zu einer Verkettung von gleich mehreren Fehlern kommt. Die Ursache dafür ist daher nicht auf ein einzelnes Fehlverhalten zurückzuführen. Die Aufklärung und Vermeidung von Behandlungsfehlern ist dabei wichtigstes Merkmal eines funktionierenden Qualitätsmanagements.

An wen sollen sich Patienten bei einem Behandlungsfehler wenden?

Patienten, die von einem Behandlungsfehler betroffen sind, bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten, um die eigenen Rechte geltend zu machen. Ein erstes direktes Gespräch mit dem behandelnden Arzt ist dabei aber auf jeden Fall zu empfehlen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass nicht schon ein ausbleibender Behandlungserfolg direkt auch als Arztfehler gilt, denn: Einen Rechtsanspruch auf einen Behandlungserfolg gibt es nach den geltenden Vorschriften nicht.

Wichtig zu wissen: Die Beweislast für den Behandlungsfehler liegt beim Patienten selbst. Das bedeutet, dass die Fehlbehandlung und der daraus entstandene Schaden durch den Patienten nachgewiesen werden muss – Grundlage hierfür ist die Dokumentation des Behandlungsverlaufs und entsprechende Gutachten durch Sachverständige bzw. Experten.

Eine wichtige und auch erste Anlaufstelle für Patienten ist die eigene Krankenkasse. Sie schaltet bei einem Verdacht auf einen Arztfehler den
Medizinischen Dienst der Krankenversicherung
ein. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Patienten bei der Krankenkasse eine Entbindung von der Schweigepflicht erklären. Dies ist wichtig, um den bisherigen Krankheits- und Behandlungsverlauf zu beurteilen und zu überprüfen. Als Mitglied der BAHN-BKK sollten Sie sich bei einem Verdacht auf einen Behandlungsfehler zuerst an die BAHN-BKK wenden.

Ebenfalls Unterstützung gibt es für Patienten aber auch bei:

Wie können Patienten zur Aufklärung des Behandlungsfehlers beitragen?

Da die Beweislast für den Behandlungsfehler beim Patienten liegt, gehört zum Nachweis auch der überprüfbare Verlauf der Behandlung selbst. Patienten können und sollten hier in Eigenregie Aufzeichnungen und Dokumente sammeln, die im Ernstfall auch vor Gericht als Beweismittel eingebracht werden können.

Dazu gehört:
  • eine Liste sämtlicher Termine, die bei der Behandlung vereinbart und durchgeführt wurden
  • Protokolle – auch eigene Gedächtnisprotokolle im Nachgang einer Besprechung oder eines Vorgesprächs
  • eine Liste sämtlicher Verordnungen, Rezepte, Maßnahmen
  • Aufklärungsbögen und Einwilligungen
  • Rechnungen und Quittungen
  • umfassende Dokumentation des verursachten Schadens – dazu zählen auch "sekundäre" Schäden wie zusätzliche Kosten durch einen möglichen Verdienstausfall etc.
  • Expertengutachten, Atteste.
Neben der durch den Patienten selbst zusammengestellte Dokumentation ist auch der behandelnde Arzt selbst verpflichtet, die einzelnen Behandlungsschritte zu dokumentieren. Die Dokumente, die zur Patientenakte gehören, dürfen vom Patienten eingesehen werden und auch kopiert werden. Dies empfiehlt sich grundsätzlich auch zur Vervollständigung der eigenen Dokumentation.

Wichtig zu wissen: Nicht jeder Behandlungsfehler bedarf einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Auch eine außergerichtliche Einigung ist bei einem Behandlungsfehler möglich und kann ebenfalls zu einer zufriedenstellenden Lösung führen. Ob ein Gerichtsverfahren tatsächlich notwendig ist, sollten Sie zusammen mit einem kompetenten Anwalt und der BAHN-BKK überprüfen.

Juristische Beratung für Versicherte der BAHN-BKK

Sie haben den Verdacht, dass es bei Ihnen im Rahmen einer medizinischen Behandlung zu einem Behandlungsfehler gekommen ist? Dann kann juristischer Rat von großer Bedeutung sein, um die eigenen Rechte geltend zu machen. Wir empfehlen dazu eine kostenlose Erstberatung durch einen Anwalt. Diese hilft auch dabei, das Kosten-Nutzen-Verhältnis von juristischen Schritten abzuwägen.

Mitglieder der BAHN-BKK erhalten über unseren Partner KLUGO eine kostenlose rechtliche Erstberatung durch einen kompetenten Rechtsanwalt. Hier geht’s zur
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Das Team der BAHN-BKK berät Sie gerne. Sie erreichen uns täglich von 8 bis 20 Uhr.
Dies ist ein EXTRA der BAHN-BKK, das über die gesetzlichen Leistungen hinausgeht.

Die BAHN-BKK unterstützt Sie!

Vermuten Sie einen Behandlungsfehler, erhalten Sie bei uns Einsicht in alle uns zur Verfügung stehenden fallrelevanten Unterlagen erhalten. Unser Team zur Bearbeitung von Behandlungsfehlern berät Sie gern individuell.

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