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Prävention

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Die Gesundheit – sie zu pflegen, zu verbessern oder auch wiederherzustellen nimmt in unserer Gesellschaft aber auch für jeden Einzelnen einen breiten Raum ein. Besonders wichtig ist die gesundheitliche Prävention. Darüber haben wir mit Prof. Dr. med. Gerd Grospietsch gesprochen. Er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nährstoffmedizin und Prävention (DGNP), die ihren Sitz in Braunschweig hat.

Im Interview: Prof. Dr. med Gerd Grospietsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nährstoffmedizin und Prävention

Der Begriff "Prävention" oder "gesundheitliche Prävention" ist in aller Munde. Aber was bedeutet er eigentlich?

Prävention kommt aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie Vorbeugung. Der Volksmund weiß es ganz genau, wenn er von „Vorbeugen ist die beste Medizin“ spricht. In aller Munde ist die Prävention deshalb, weil in den letzten Jahrzehnten ein dramatischer Anstieg von sogenannten Volkskrankheiten zu verzeichnen ist. Damit gemeint sind vor allen Dingen Erkrankungen wie Atherosklerose, Gelenkerkrankungen, Diabetes, Herzinsuffizienz Tumorerkrankungen, Übergewicht. Dies liegt zum einen daran, dass wir immer älter werden aber auch, weil Umwelteinflüsse und vor allen Dingen unsere Ernährung häufig die Grundlage für zukünftige Erkrankungen bilden. Diese Entwicklung hat zu einer dramatischen Kostenexplosion im Gesundheitswesen geführt. Nicht von ungefähr gewinnen deshalb die Prävention und die damit verbundenen Präventionsmaßnahmen einen immer höheren Stellenwert.
 
Unter medizinischen Aspekten werden alle Maßnahmen dazu unter dem Begriff Präventionsmedizin zusammengefasst. Hier geht es darum individuelle Risikofaktoren z.B. genetische oder familiäre Belastungen, die individuelle Lebensweise und alle Beeinflussungsumstände zu analysieren um auf diese Weise Zugang zu gewinnen für präventive Maßnahmen. Es gibt drei unterschiedliche Arten der Prävention:
  • Primärprävention
  • Sekundärprävention 
  • Tertiärprävention
 

Was versteht man darunter?

Bei der Primärprävention geht es um die Erhaltung der Gesundheit beziehungsweise der Vorbeugung von Krankheiten. Die Maßnahmen richten sich an gesunde Menschen. Sie sollen alle Informationen haben oder bekommen, um Dinge zu vermeiden, die Erkrankungen auslösen können, zum Beispiel Alkohol, Drogen, Rauchen, Fastfood. Große Bereiche der Primärprävention sind auch Impfungen, Schwangerenvorsorge oder Verhütung.

Bei der Sekundärprävention geht es um die Früherkennung bzw. Verhinderung des Fortschreitens einer schon bestehenden Erkrankung. Sie richtet sich also an erkrankte Patienten. Häufig wissen die Personen nicht oder noch nicht, dass sie erkrankt sind, weil die Erkrankung noch keine Symptome macht. Dies ist das große Feld von Vorsorgeuntersuchungen zum Beispiel Neugeborenenscreening, Krebsvorsorgeuntersuchungen, die Darmspiegelung zur Früherkennung einer bösartigen Darmgeschwulst möglichst noch im gutartigen Zustand oder das Mammografie Screening, das sehr häufig Vorstadien eines Brustkrebses aufdecken kann. In der Schwangerschaft hat der Test zur Erkennung eines Gestationsdiabetes seit einigen Jahren einen hohen Stellenwert. Darauf möchte ich später noch eingehen.
 
Bei der Tertiärprävention geht es um das Verhindern des Fortschreitens einer Erkrankung zum Beispiel bei einer Krebserkrankung, der Vorbeugung von Komplikationen zum Beispiel beim Asthma und um eine Rückfallprophylaxe beispielsweise nach einem Herzinfarkt. Hier geht es darum die Lebensqualität und die Funktionsfähigkeit des Körpers, so weit wie möglich, wiederherzustellen beziehungsweise zu erhalten. Dies ist der große Bereich von Rehabilitationsmaßnahmen, das Meiden von Risikofaktoren und die Gesundheitsförderung beispielsweise durch Ernährung, Bewegung, Sport.
 

Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen darüber, ob Prävention wirklich etwas bringt?

Ich denke über die wissenschaftlichen Grundlagen der meisten Präventionsmaßnahmen muss man heute nicht mehr diskutieren, denn sie sind eingeführt worden aufgrund wissenschaftlicher Grundlagen und werden in den allermeisten Fällen von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Viele Krankenkassen werben zurecht mit einem großen Angebot unterschiedlicher Vorsorge- und Präventivmaßnahmen. Beispielhaft seien genannt
  • Impfungen
  • Schwangerenvorsorge
  • Krebsvorsorgeuntersuchungen
 
Neben vielen dieser etablierten Präventionsmaßnahmen hat die Politik mit dem Präventionsgesetz, das nach vielen Jahren Verzögerung im Sommer 2015 in Kraft getreten ist, weitere Entwicklungen möglich gemacht. Ziel ist es, Prävention und Gesundheitsförderung dort anzubieten und zu unterstützen, wo große Teile der Bevölkerung täglich leben und arbeiten. Eine zentrale Rolle spielen dabei Familie, Kitas, Schulen, Betriebe, das Wohnumfeld und Pflegeeinrichtungen. Es geht aber auch darum, dass Krankenkassen, Pflegekassen, Renten- und Unfallversicherungsträger sowie Länder und Kommunen ihre Ressourcen stärker bündeln und sich auf die gemeinsamen Ziele und Vorgehensweise verständigen.


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