Prof. Dr. med. Gerd Grospietsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nährstoffmedizin und Prävention
Prof. Dr. med. Gerd Grospietsch ist der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nährstoffmedizin und Prävention (DGNP). In unserem Interview beantwortet er die wichtigsten Fragen zum Thema Prävention.
Erfahren Sie hier, welche vorbeugenden Maßnahmen während der Schwangerschaft getroffen werden können.

Prävention in der Schwangerschaft - Ernährung

Die Ernährungssituation hat einen besonders großen präventiven Stellenwert für eine potentielle Schwangerschaft. Mehr als 30 Prozent der Jugendlichen sind übergewichtig und ernähren sich laut der Nationalen Verzehrstudie II falsch. Diese Studie erfolgte im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Ich weise nur auf die Fastfood-Ernährung hin. Auf der anderen Seite haben sie eine erhebliche Minderversorgung an Vitaminen und Mikronährstoffen, die in der Schwangerschaft für die Entwicklung des ungeborenen besonders wichtig sind. Diese Situation hat auf die spätere Entwicklung der Kinder einen erheblichen Einfluss, ich komme darauf gleich noch zurück unter dem Schlagwort: fetale Programmierung. Fazit ist: Eine Gewichtsabnahme zum Normgewicht sollte vor der Schwangerschaft stattfinden. Das „Essen für zwei“ in der Schwangerschaft gehört der Vergangenheit an. Auf eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Gehalt an Vitaminen und Mikronährstoffen ist besonders achten. Da jedoch die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung herausgegebenen Werte für Vitamine und Mikronährstoffen in den allermeisten Fällen nicht erreicht werden bzw. erreichbar sind, ist eine Supplementierung in der Schwangerschaft besonders zu empfehlen.

Im Netzwerk „Junge Familie: Gesund ins Leben“ hat die Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung Landwirtschaft und Verbraucherschutz umfangreiche Empfehlungen dazu erarbeitet.
 
Folsäure und Jod sollten grundsätzlich schon vor der Schwangerschaft am besten bei Kinderwunsch substituiert werden, da die Versorgung mit Lebensmitteln nicht ausreicht und eine Unterversorgung mit Komplikationen einhergeht.

Folsäure dient nicht nur der Prävention von Neuralrohrdefekten, man spricht von offenen Rücken, und Herzfehlern, sondern unterstützt auch einen komplikationslosen Verlauf der Schwangerschaft und der Entwicklung des Kindes im Wochenbett. Ein Mangel ist besonders ausgeprägt nach Einnahme der Pille, da Ovulationshemmer die Resorption von Folsäure zum Teil hemmen.

Jod muss substituiert werden, da nur etwa 70 Prozent der Bevölkerung durch Nahrung und jodiertes Speisesalz ausreichend versorgt sind und der Bedarf in der Schwangerschaft um ein Vielfaches ansteigt. Das gilt übrigens auch für die Zeit des Stillens. Besonders wichtig ist Jod für eine normale Entwicklung des Gehirns.
 
Zu erwähnen sind außerdem noch die Gabe von Eisen, Vitamin-D und DHA (Docosahexaensäure), das ebenfalls für die Entwicklung des Gehirns wichtig ist, da die Versorgung der Mutter und des Kindes meist ungenügend ist.

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