Prof. Dr. med. Gerd Grospietsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nährstoffmedizin und Prävention
Prof. Dr. med. Gerd Grospietsch ist der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nährstoffmedizin und Prävention (DGNP). In unserem Interview beantwortet er die wichtigsten Fragen zum Thema Prävention.
Erfahren Sie hier, welche vorbeugenden Maßnahmen während der Schwangerschaft getroffen werden können.

Prävention in der Schwangerschaft - Fetale Programmierung

Die Fetale Programmierung ist eine relativ junge und neue Forschungsrichtung, was nichts anderes bedeutet als, dass Umwelteinflüsse, insbesondere die Ernährung der Schwangeren, das heißt sowohl Mangel- als auch Überernährung, die Versorgung mit Mikronährstoffen, aber auch Dauerstress und Erkrankungen eine wichtige Basis für die spätere Gesundheit des Kindes bedeuten. Es ist inzwischen hinreichend bewiesen, dass solche Einflüsse den genetischen Code verändern können mit entsprechenden Langzeitfolgen. Insbesondere sind hier zu nennen Spätfolgen, die erst mit 50 bis 60 Jahren auftreten wie zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Man spricht hier häufig von dem sogenannten metabolischen Syndrom, einer Stoffwechselstörung, die einhergeht mit einem gestörten Kohlenhydratstoffwechsel. Man spricht von Insulinresistenz, das heißt Insulin kann den Zucker, den wir mit der Nahrung aufnehmen nicht optimal verwerten. Dazu kommen eine Störung des Fettstoffwechsels, ein Bluthochdruck und eine bauchbetonte Fettsucht.
 
Ausschlaggebend für die spätere Entwicklung ist offensichtlich das Geburtsgewicht. Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen in der Gebärmutter mit Nährstoffen mangelversorgt sind und deshalb mit Untergewicht zur Welt kommen, haben ein großes Risiko, später einen Herzinfarkt oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung zu bekommen. Es handelt sich meist um Kinder, die leichter als 2.500 g sind und wegen dieser Unterversorgung in der Gebärmutter zu früh geboren werden. Wiegen die Kinder mehr als 4.500 g, haben sie dagegen ein besonders hohes Risiko für Fettsucht und Diabetes, die sie häufig schon in jugendlichem Alter entwickeln.
 
Auch nach einer normal langen Schwangerschaft gibt es eine kritische Phase, die zu einer dauerhaften Fehlprägung von Organfunktionen führen kann. Bekannt ist, dass Kinder mit einem niedrigen Geburtsgewicht, die im ersten Lebensjahr übermäßig an Körpergewicht zunehmen, später besonders häufig ein metabolisches Syndrom entwickeln. Besonders betroffen sind normalgewichtige Frühgeborene. Die Mütter meinen es gut und geben den Kindern ein Löffelchen mehr an Milchpulver pro Flasche. Leider gefährden sie damit häufig das Kind im späteren Leben. Die beste Ernährung bedeutet immer noch das Stillen. Es ist bekannt, dass Kinder die bis zum 9. Lebensmonat gestillt wurden, ein um 30 Prozent geringeres Risiko haben, später an Fettsucht zu leiden


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