Umgang mit Alkohol - wann wird es gefährlich?

Paar mit Gläsern Rotwein

Schmaler Grat zwischen Genuss und Sucht

Ein Glas Rotwein am Abend, ein oder zwei Feierabendbier und am Wochenende ist immer was los – Alkohol ist in unserer Kultur fest verankert und allgegenwärtig. Viele Menschen befürchten insgeheim, zu viel zu trinken. Tatsächlich ist zwischen Genuss und Sucht oft ein schmaler Grat.

1. Ist man schon Alkoholiker, wenn man täglich ein Feierabendbier trinkt?

Alkoholabhängigkeit wird nicht über die Menge definiert, sondern über die physischen, psychischen, sozialen und beruflichen Folgen. Daher kann es sein, dass auch jemand Alkoholabhängig ist, der/die nur ein Bier am Abend trinkt. 
Als Diagnostik werden folgende sechs Kriterien aus dem ICD10 herangezogen:
  • starkes oder zwanghaftes Verlangen, Alkohol zu konsumieren
  • verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich der Menge, des Beginns oder Ende des Konsums (d.h. es wird regelmäßig mehr Alkohol oder über einen längeren Zeitraum konsumiert als geplant)
  • körperliche Entzugserscheinungen bei plötzlichem Absetzen der Substanz 
  • Nachweis einer Toleranzentwicklung (zunehmend müssen deutlich mehr Mengen an Alkohol konsumiert werden)
  • Vernachlässigung des Alltags zugunsten des Alkoholkonsums (andere Interessen und Tätigkeiten werden vernachlässigt)
  • anhaltender Substanzkonsum trotz gesundheitlicher und sozialer Folgeschäden für die Konsumenten (zum Beispiel Leberzirrhose, Arbeitsplatzverlust)
 
Drei oder mehr Kriterien  müssen mindestens einen Monat lang zutreffen um die Diagnose der Abhängigkeit stellen zu können. Diese Kriterien könnten auch auf jemanden zutreffen der/die nur ein Bier am Abend trinkt.

2. Was sind die ersten Warnzeichen dafür, dass man zu viel Alkohol konsumiert?

  • Angehörige äußern ihre Sorgen und Bedenken wegen eines zu hohen Alkoholkonsums
  • Schuld- und Schamgefühle wegen des Alkoholkonsums
  •   zunehmende Schwierigkeiten den (beruflichen) Erwartungen, welche das Umfeld oder die Arbeit an einen stellen, zu erfüllen
  • regelmäßig deutlich mehr trinken als man sich vorgenommen hat
  • eine Steigerung der zugenommen Alkoholmenge sowie mehr Tage an denen konsumiert wird

3. Wie wichtig ist der „soziale Faktor“? Ist es immer problematisch, wenn man alleine Alkohol konsumiert?

Alkoholkonsum alleine ist nicht per se problematisch. Trinken alleine kann jedoch ein Hinweis auf eine mögliche Problematik sein.

Wer selten alleine zum Genuss wenig Alkohol zu sich nimmt, hat relativ sicher kein Alkoholproblem. Wenn dies jedoch sehr regelmäßig passiert und größere Mengen zu sich genommen werden, könnte dies ein Hinweis auf eine Problematik sein.

4. Was können die Spätfolgen einer Alkoholsucht sein?

Zunächst gibt es dabei mögliche körperliche Folgen. Dazu zählen Veränderungen der Leber (Fettleber, Leberentzündung, Leberzirrhose), Schädigungen der Bauchspeicheldrüse, eine Erweiterung des Herzmuskels, Muskelatrophie und ein erhöhtes Krebsrisiko (besonders Mund-, Rachen-, Speiseröhrenkrebs und bei Frauen Brustkrebs). Ein abruptes Absetzen kann außerdem zu Entzugserscheinungen führen (Krampfanfälle, Delirium tremens, starkes Schwitzen, erhöhter Puls sowie Unruhe und Angstzustände).

Hinzu kommen mögliche psychische Folgen wie Stimmungsschwankungen, Angstzuständige oder Depression sowie soziale Folgen. Diese können Veränderungen des gesamten sozialen Umfeldes betreffen, außerdem zunehmende soziale Konflikte, den Verlust des Arbeitsplatzes oder das Zerbrechen von Ehen oder Beziehungen.

5. Wohin kann ich mich wenden, wenn ich professionelle Unterstützung benötige?

Erster Ansprechpartner sollten in der Regel die bezirklichen oder kommunalen Suchtberatungsstellen sein, welche es in Deutschland in jedem Bezirk und Landkreis gibt. Finanziert werden diese durch die Bezirke und Landkreise, daher stehen sie allen Menschen kostenlos und unbürokratisch zur Verfügung.

telefon0800 22 46 255

Das Team der BAHN-BKK berät Sie gerne. Sie erreichen uns täglich von 8 bis 20 Uhr.