Zahlreiche pflanzliche Lebensmittel wie zum Beispiel Beeren, Obst, Nüsse, Mandeln und Avocados auf einem Tisch.

Ernährungsarten im Check: Vegane Ernährung

Ihr fragt, Frauke antwortet

Im Rahmen unserer Serie „Ernährungsarten im Check“ habt ihr die Möglichkeit, uns Fragen zu stellen. Zu ausgewählten Themen informiert euch unsere Ernährungsexpertin Frauke Vor dem Berge. Sie ist studierte Ökotrophologin und bei der BAHN-BKK als Referentin für Betriebliches Gesundheitsmanagement tätig. Heute: Vegane Ernährung.
 

Vegane Ernährung – auch Veganismus genannt – meint eine Ernährung ohne Produkte tierischen Ursprungs. Auf welche Lebensmittel greifen Veganer zurück und was gibt es zu beachten?

Für den fünften Teil unserer Serie haben wir mit Frauke über den Ernährungstrend Veganismus gesprochen.
Mitarbeiterin Frauke vor dem Berge
Was bedeutet vegane Ernährung genau und wie grenzt sie sich zur vegetarischen Ernährung ab? 
Bei veganer Ernährung wird komplett auf tierische Lebensmittel verzichtet. Die Gründe hierfür können vielfältig sein: Gesundheit, ethische Gründe, zum Beispiel Ablehnung der Massentierhaltung, oder auch Aspekte der Ökologie und Nachhaltigkeit.

Sie wird in der westlichen Bevölkerung immer häufiger durchgeführt. Neueste Erhebungen wie die Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse geben an, dass im Jahr 2019 in Deutschland knapp ein Prozent der Bevölkerung eine vegane Ernährung gewählt hat. Konsequente Veganer verzichten auch auf Honig, auf Grund der Bedingungen, zu denen der Honig gewonnen wird, und auf Kleidungsstücke oder Gegenstände aus Leder und Fell. Zusatzstoffe und Lebensmittel, bei deren Herstellungsprozessen tierische Bestandteile verwendet werden, werden zudem komplett gemieden.

Im Gegensatz dazu verzichten Vegetarier nur auf Fleisch und Fleischprodukte. Je nach Ausprägung werden Fisch, Eier und/oder Milchprodukte gegessen.
 
Ist vegane Ernährung gesund?
Die Frage kann man nicht so einfach mit Ja oder Nein beantworten. Auch bei veganer Ernährung kommt es drauf an, was und wie man isst. So genannte „Pudding-Veganer“ ernähren sich trotz des Aspekts der pflanzlichen Lebensmittel eher ungesund, da ein Großteil ihrer Ernährung aus Fast Food und süßen Speisen besteht.

Wird der Fokus jedoch auf viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte gelegt und frisch gekocht, kann die vegane Ernährung – mit Einschränkungen – als sehr gesund bezeichnet werden. Viele Studien belegen, dass sich pflanzliche Lebensmittel sehr vorteilhaft auf die Gesundheit auswirken können, wohingegen tierische Lebensmittel, vor allem Fleisch und Fleischprodukte, mit einigen ernährungsabhängigen Krankheiten in Verbindung gebracht werden können, beispielsweise Herzkreislauf-Erkrankungen und Krebs.

In unserer
Kundenzeitschrift pulsprivat
hat Dr. Andreas Michalsen, der Professor für klinische Naturheilkunde in der Charité Berlin ist, sich sehr positiv über vegane Ernährung geäußert. Er zitierte die Studie des US-amerikanischen Kardiologen Dean Ornish, die nachweisen konnte, dass eine überwiegend vegane und fettarme Kost positive Auswirkungen auf die Gesundheit herzkranker Patienten hatte. Könntest du die wichtigsten Ergebnisse der Studie für uns zusammenfassen?

Die vor über 20 Jahren durchgeführte Studie konnte eine Verbesserung der Blutfettwerte und des Blutdrucks feststellen. Zudem verloren die Studienteilnehmer Gewicht, und Gefäßverkalkungen in den Herzkranzgefäßen begannen sich zurückzubilden. Dies wurde durch eine nahezu vegane und fettarme Ernährung und Maßnahmen zur Stressreduktion erreicht. Milchprodukte wurden in geringem Maß noch verzehrt. Die verordnete Ernährung war außerdem abwechslungsreich und gesund und beinhaltete viel Obst und Gemüse und viele Ballaststoffe.

Trotzdem muss man die Ergebnisse mit Vorsicht genießen. Zum einen waren die Teilnehmer schwer herzkrank und zum anderen war die Ernährung nicht nur fast vegan, sondern auch fettarm. Es kann also nicht genau gesagt werden, wie das Ergebnis der Studie bei gesunden Teilnehmern ausgefallen wäre und in welchem Maß die fettarme Ernährung mitverantwortlich war. Zu fettarmer Ernährung gibt es zahlreiche Studien, die belegen, dass sich diese gut auf das Herzkreislaufsystem und die Blutfette auswirken kann. Trotzdem liefert die Studie von Ornish sehr interessante Ergebnisse.

Professor Michalsen erläutert in seinem Artikel auch, dass Fleisch wenige Nährstoffe enthält, dass der Fleischkonsum dafür aber viele gesundheitliche Risikofaktoren birgt, zum Beispiel durch gesättigte Fette, tierisches Eiweiß, Antibiotikarückstände, Hormone oder Viren. Essen wir zu viel Fleisch?
Fleisch ist eine sehr gute Eiweißquelle, da die biologische Verfügbarkeit für den menschlichen Körper bei tierischem Eiweiß besser ist als bei pflanzlichem. Aber ja, heutzutage finden sich vor allem in konventionell produziertem Fleisch Antibiotikarückstände. Auch isst der oder die Durchschnittsdeutsche zu viel Fleisch und Fleischprodukte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 300 bis 600 Gramm pro Woche – die verzehrte Menge liegt aktuell aber deutlich darüber, 2019 zum Beispiel bei über einem Kilogramm pro Kopf!

Ein kompletter Verzicht auf Fleisch ist tatsächlich nicht zwingend notwendig, jedoch sollte jeder darüber nachdenken, wie er oder sie den Fleischkonsum reduzieren kann. Für die Gesundheit und die Umwelt hilft jeder Tag mehr, an dem kein Fleisch gegessen wurde. So kann sich jeder langsam an einen geringeren Verzehr herantasten. Außerdem sollte die Herkunft des Fleisches überdacht werden. Lieber regional und biologisch produziert beim Metzger des Vertrauens kaufen als beim Discounter. Das Fleisch wird zwar teurer aber qualitativ hochwertiger sein und, wenn man es sich seltener gönnt, kann man auch mal mehr ausgeben.

Was muss man bei veganer Ernährung beachten und kann es zu Mangelerscheinungen kommen, wenn man auf tierische Produkte verzichtet?
Auch bei veganer Ernährung sollte der Grundsatz sein, so abwechslungsreich und frisch wie möglich zu essen. Die Auswahl der Lebensmittel ist also auch bei veganer Ernährung von großer Bedeutung. Viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sollten den Großteil der Auswahl ausmachen. Zu einem Mangel kann es vor allem bei Vitamin B12 kommen, da dieser Stoff fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Dies sollte in regelgemäßen Abständen beim Arzt oder der Ärztin kontrolliert und wenn nötig dementsprechend supplementiert werden.
 
Sind vegane Fertiggerichte oder Ersatzprodukte für Fleisch, Wurst oder Milchprodukte empfehlenswert?
Hochprozessierte Lebensmittel wie Fertiggerichte und Fleischersatzprodukte sind niemals den frischen Lebensmitteln vorzuziehen. In Maßen ab und zu ist dagegen aber nichts einzuwenden, falls man mal den Geschmack von Fleisch oder Fleischprodukten vermisst. Aber da diese Produkte viele Zusatzstoffe enthalten, kann man sie grundsätzlich nicht empfehlen. Wenn es einem um das Eiweiß geht, sollte man lieber auf eiweißreiche pflanzliche Lebensmittel zurückgreifen wie Hülsenfrüchte und Nüsse. Milchersatzprodukte sind da schon eher zu empfehlen, hier sollte aber aus Umweltgründen beispielsweise nicht die Mandelmilch, sondern eher Hafermilch gewählt werden. Bei der Herstellung von Mandeln wird unter anderem viel Wasser benötigt und meist kommen sie aus Kalifornien. Hafer findet man auch in Deutschland und die Herstellung ist klimaneutraler als die von Mandeln.
 
Vielen Dank!
Dies ist ein EXTRA der BAHN-BKK, das über die gesetzlichen Leistungen hinausgeht.

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