Fit trotz Trauma

    Was ist ein Psychotrauma?

    Ein Psychotrauma ist eine seelische Verletzung, die durch ein extrem belastendes Ereignis entsteht. Das Ereignis ist dabei so reizüberflutend, dass es unsere individuellen Bewältigungsmechanismen überfordert – unser Gehirn kann das Erlebte für den Moment also nicht verarbeiten. Das Ereignis ist emotional zumeist mit starker Angst, Hilflosigkeit, einem Gefühl des Kontrollverlustes oder auch Verzweiflung verbunden. Typische Situationen sind z.B. das Erleben von schweren Unfällen mit Verletzten, Suizide, Naturkatastrophen oder auch das Erleben körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt. Manchmal wirkt es schon traumatisch, wenn man beobachten muss, wie andere Personen solche Ereignisse erleben.

    Viele Menschen fühlen sich nach diesen Ereignissen beispielsweise niedergeschlagen, hoffnungslos, ängstlich, schreckhaft oder extrem reizbar. Viele ziehen sich zurück, haben Schlafstörungen und Albträume oder müssen immer wieder an das Ereignis denken. Bei einigen tritt auch ein Gefühl auf, als wäre alles um sie herum unwirklich.

    In den meisten Fällen erholen sich Körper und Psyche innerhalb weniger Wochen von alleine. Manchmal wirkt ein traumatisches Ereignis jedoch so intensiv, dass das nicht von alleine klappt. Wenn die erlebten körperlichen und emotionalen Veränderungen nach einem Psychotrauma mehr als vier Wochen anhalten, sollten Betroffene schnell ärztliche oder psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen, damit keine langwierigen Folgeerkrankungen entstehen.

    Welche Folgen kann ein unverarbeitetes Psychotrauma für mich haben?

    Wenn sich die Stressreaktion des Körpers in den ersten vier bis sechs Wochen nach einem Ereignis nicht von alleine reguliert, kann eine sogenannte Traumafolgestörung entstehen. Hierzu gehören zum Beispiel Angststörungen, Anpassungsstörungen, Depressionen, Suchterkrankungen oder auch eine posttraumatische Belastungsstörung (kurz: PTBS). Eine PTBS äußert sich durch vier Hauptsymptome:

    - unerwünschtes und unkontrollierbares Wiedererleben

    Die Erinnerung an das traumatische Ereignis blitzt immer wieder ganz plötzlich auf, z.B. als Erinnerungsbruchstück oder in Träumen. Betroffene haben dabei das Gefühl, sich wieder in der traumatischen Situation zu befinden. Die Folge: alle Emotionen aus der Situation kommen wieder hoch, z.B. die erlebte Hilflosigkeit und Angst. Der Körper reagiert dabei wie in der vergangenen traumatischen Situation, indem z.B. viele Stresshormone ausgeschüttet werden oder eine Schockstarre entsteht. Das gezeigte Verhalten wirkt in der gegenwärtigen Situation dann unpassend oder auch unangemessen. Da sich die Erinnerungen zumeist nicht kontrollieren lassen und viele Betroffene erstmal nicht verstehen, was genau da eigentlich mit ihrem eigenen Kopf, Körper und Verhalten passiert, schämen sie sich oder werden von ihrem Umfeld für „verrückt“ gehalten. Sie sind es aber nicht!

    - Vermeidungsverhalten

    Um sich vor dem unerwünschten Wiedererleben zu schützen, versuchen Betroffene manchmal alles zu vermeiden, was sie an das Ereignis erinnert, z.B. Gerüche, Geräusche, Orte, Farben etc. Das führt häufig dazu, dass sie sich aus ihrem sozialen Umfeld zurückziehen und ihren Aktionsradius, Aktivitäten sowie Freundeskreise immer weiter einschränken. Soziale Isolation verringert zwar Reize, erhöht aber das Gefühl, nicht mehr zu anderen Menschen dazu zu gehören.

    - Übererregung

    Bleibt die Stressreaktion des Körpers dauerhaft nach einem Ereignis aktiviert, sind die betroffenen Menschen besonders wachsam und angespannt. Sie kommen kaum mehr zur Ruhe, achten ständig auf Gefahren und sind nervös. Die Anspannung verhindert erholsamen Schlaf, der für die Verarbeitung des Erlebten und die Erholung des Körpers und der Psyche aber besonders wichtig ist.

    - Untererregung

    Irgendwann muss jeder Körper seine Akkus auffüllen. Wenn dies mithilfe von Schlaf nicht funktioniert, schaltet sich ein Körper einfach ab. Betroffene sind dann nicht ansprechbar und wirken antriebs- oder lustlos. Sie zeigen kein Interesse an Dingen und Menschen, ziehen sich zurück und nehmen vorübergehend nicht aktiv am Leben teil. All das geschieht, um Körper, Geist und Psyche vor zu vielen Reizen zu schützen. Gleichzeitig verstärkt dieses Verhalten aber die Sorgen von Mitmenschen um die Betroffenen und führt oft zu sozialen Konflikten.

    Sie haben ein stark belastendes Ereignis erlebt und haben seitdem körperliche und/oder psychische Veränderungen an sich bemerkt, die Sie verunsichern?

    Unser Tipp: Prüfen Sie, ob das traumatische Ereignis bereits über sechs Wochen her ist. Wenn einige der nachfolgenden Dinge aus der Liste auf Sie zutreffen, ist es ratsam, zeitnah Ihre Haus- oder Betriebsärztin bzw. Ihren Haus- oder Betriebsarzt aufzusuchen, um Traumafolgestörungen festzustellen oder auszuschließen und passende Hilfen zu finden:

    • Fühlen Sie sich seit dem Ereignis dauerhaft unruhig, gestresst und gereizt?
    • Schlafen Sie seit dem Ereignis schlecht(er)?
    • Haben Sie Interesse verloren an Dingen, die Ihnen vorher Freude bereitet haben?
    • Fühlen Sie nichts mehr oder betäuben Sie Ihre Gefühle irgendwie (z.B. mit Alkohol)?
    • Erinnern Sie sich aus heiterem Himmel und ungewollt an das Ereignis?
    • Erleben Sie Gefühle aus der Situation wieder (z.B. extreme Angst, Hilf- und Schutzlosigkeit)?
    • Verdrängen Sie das Erlebte und meiden Sie alles, was Sie hieran erinnern könnte?
    • Streiten Sie öfter mit Ihren Mitmenschen oder sind alle um Sie herum plötzlich verändert und komisch geworden?
    • Haben Sie manchmal das Gefühl, dass alles sinnlos ist und/oder blicken Sie pessimistisch in die Zukunft?
    • Fällt es Ihnen schwer, Ihren Alltag zu bewältigen, z.B. Arbeitsaufgaben oder Anforderungen im Privatleben?

    Welche Folgen kann ein unverarbeitetes Psychotrauma für meine Angehörigen haben?

    Ein Psychotrauma betrifft meist die ganze Familie, denn es verändert das Fühlen, Denken und Verhalten der betroffenen Personen! So können Familienmitglieder von dem veränderten Verhalten irritiert sein – vor allem dann, wenn niemand die Ursachen und Zusammenhänge kennt oder versteht. Es entstehen Konflikte, die eskalieren, z.B. wenn sich alle gestresst fühlen oder Absprachen zuhause nicht mehr funktionieren. Manchmal herrscht aber auch Sprachlosigkeit – in der Familie wird es buchstäblich still.

    Für Betroffene ist wichtig zu wissen: Ihre Angehörigen tragen ein erhöhtes Risiko, selbst psychisch zu erkranken, vor allem im Haushalt lebende Kinder. Daher ist es wichtig, auch die Familie in den Bewältigungsprozess mit einzubinden. Je früher Sie sich dabei Unterstützung holen, desto eher durchbrechen Sie den Kreislauf aus traumabedingten Problemen. Unser Programm FIT trotz Trauma kann ein erster wichtiger Schritt hierfür sein.

    Sie haben Interesse?

    Das Familienprogramm „FIT trotz Trauma“ ist eine Kooperation der BAHN-BKK und der amitumKids gUG zur Unterstützung von Angehörigen beim Umgang mit psychischen Folgen eines berufsbedingten Traumas. 

    Wenden Sie sich bitte per E-Mail an: fit-trotz-trauma@amitumkids.de